Rinnsteinschwalbe

Die Flügel sind schlapp, der Wind heult so laut,

der Regen tropft auf's Gefieder.

Die Augen gesenkt, die Kraft ist verlor'n, längst verstummt alle Lieder.

Kein Ziel mehr vor Augen, streift sie durch's Land, Lebensklug, doch müde.

Vergraben ist, was noch übrig war, von Herz und Würde.

 

Rinnsteinschwalbe, wo willst Du hin?

Deinem fluglosen Gang fehlt der Sinn.

 

Schmutz überdeckt der Federn Pracht, der Schönheit einstiger Glanz.

Sie legt keinen Wert drauf, was einer denkt, vergessen die Eleganz.

Getreten, geschubst, verschlossen die Tür'n, aus der Wärme verbannt.

Heimatlos und ganz allein, die Erde im Rücken verbrannt.

 

Rinnsteinschwalbe, wo willst Du hin?

Deinem fluglosen Gang fehlt der Sinn.

Rinnsteinschwalbe, was fehlt dir bloß?

Die Hoffnung ist so klein, die Sehnsucht groß.

 

Ihr Blick fällt auf den Boden so nah, das Schicksal hat sie besiegt,

sie schließt ihre Augen, verliert sich im Traum, zwitschert leise ein Lied.

Sie singt von ihrem letzten Flug in Ewigkeit und frei zu sein.

Kein Schmutz, kein Dreck und kein Betrug. Frei und immer Daheim.

 

Rinnsteinschwalbe, wo willst Du hin?

Deinem fluglosen Gang fehlt der Sinn.

Rinnsteinschwalbe, nun bist du da.

Wo immer das auch sein mag, es ist wahr.

Die Freiheit frei zu sein ist leider rar.